„Gewalt kommt nicht in die Tüte!“

Hessische Landfrauen setzten ein Zeichen gegen Gewalt

 

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25.11.2016 wiesen hessische LandFrauen auf das Problem der häuslichen Gewalt und ihre Folgen für Frauen, Kinder und die Gesellschaft hin. Mit der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ setzten sie ein Zeichen gegen Gewalt in jeglicher Form. Aufgerufen dazu hatte Präsidentin Hildegard Schuster bei der Vertreterinnen-Versammlung 2016 des LandFrauenverbandes Hessen in Florstadt.

Dass Gewalt nicht erst beim Schlagen anfängt, erklärte Christine Klein, Leiterin der Regionalen Geschäftsstelle Südhessen des Netzwerks gegen Gewalt, in ihrem mit einem Video eindrucksvoll eingeleiteten Vortrag. Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Die Erscheinungsformen der Gewalt gegen Frauen reichen von der „alltäglichen Anmache“ über Beschimpfungen, ständige Kontrolle aus Eifersucht, Erniedrigung und Isolation, sexuelle Nötigung bis hin zu körperlicher Gewalt wie Schlagen, Stoßen, Treten und Würgen. Betroffen sind zumeist Frauen,  jeden Alters und aller gesellschaftlichen Schichten, und Kinder.

Mehr als ein Drittel der deutschen Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren, etwa die Hälfte der Frauen kennt psychische Gewalt. Die Dunkelziffer ist noch sehr viel höher. Die Folgen häuslicher Gewalt sind oft schwere traumatische Störungen der Frauen und ihrer Kinder, die entweder selbst von der Ausübung von Gewalt betroffen sind oder sie in der Familie miterleben müssen. Die gesellschaftlichen Folgekosten von Männergewalt werden auf ca. 15 Milliarden Euro im Jahr geschätzt.

Um auf dieses oft totgeschwiegene Thema aufmerksam zu machen, führten die LandFrauenvereine hessenweit vielfältige Aktionen durch – am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November oder rund um dieses Datum herum.

Im LandFrauenverein Kleinern nutzte die Vorsitzende Karin Heinrichs-Daude die Gelegenheit, die Landfrauen im Anschluss an einen Vortragsabend auf das Problem der häuslichen Gewalt aufmerksam zu machen. Sie berichtete über den Vortrag bei der Vertreterinnen-Versammlung und überreichte den LandFrauen die vom Landesverband zur Verfügung gestellten orangefarbenen Tüten mit dem Aufkleber „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, gefüllt mit einer kleinen Tube Handcreme. Manche LandFrauenvereine wiesen auf ihrer Website oder auf facebook auf den Internationalen Tag gegen Gewalt und den Aufruf des Landfrauenverbandes hin.

Andere LandFrauenvereine wie beispielsweise der Landfrauenverein  Oberdorfelden unter Leitung der Vorsitzenden Helga Beck und der LandFrauenverein Villmar mit der Vorsitzenden Gabriele Fluck an der Spitze bauten ihre Aktionsstände vor oder in Supermärkten auf und verteilten die Tüten gegen Gewalt, die sie mit einer vom Supermarkt gespendeten Süßigkeit an die Passanten und Kunden. Dabei baten sie um eine Spende für die Frauenhäuser in ihrer Region. Beide LandFrauenvereine konnten „ihrem“ Frauenhaus einen ansehnlichen Betrag, den sie zum Teil aus eigenen Mitteln aufstockten, übergeben.

Eine besondere Aktion starteten die LandFrauen in Nauheim mit ihrer Vorsitzenden Anne Dammel: Gemeinsam mit der Gustav-Adolf-Frauengruppe und der Evangelischen Kirchengemeinde Nauheim wiesen sie mit einer Lichteraktion auf Gewalt und Diskriminierung an Frauen hin. Auf dem Weihnachtsmarkt am 1. Adventssonntag  erhielten die Besucherinnen und Besucher  die orangefarbenen Tüten unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte – aber ein Licht! Sie hatten die Tüten mit einem Teelicht und Informationen zum Hilfe-Telefon gefüllt. In jeder Tüte steckte auch eine Information zu ihrer Aktion, die mit den Worten schloss:

„Gewalt gegen Frauen gehört noch immer zum Alltag! Gewalt an Frauen verletzt uns alle!

Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens und müssen uns hörbar gegen Gewalt an Frauen stellen, auch um Betroffenen Mut zu machen, sich zu wehren und Hilfe zu suchen.

Lasst uns ein Licht anzünden für die betroffenen Frauen und Kinder in der Hoffnung auf ein gewaltfreies Leben.“